Berichte und Fotos vom 8.3.2018 – „BZ-HAUTNAH“

„Wie lebt es sich in Landwasser?“

Mit dieser Überschrift hat die Badische Zeitung in den Saal der katholischen Gemeinde St. Petrus Canisius eingeladen.

Moderator Joachim Röderer von der BZ-Lokalredaktion

 

Der Saal war voll besetzt. Auf dem Podium begrüßte der Moderator, Lokalredakteur Joachim Röderer, Ibrahim El-Khalili, einen 16-jährigen Schüler aus Landwasser, der in die Albert-Schweitzer-Schule II geht. Ibrahim lebt gern in Landwasser. Da es seiner Meinung nach nicht viele Orte gebe, um seine Freizeit zu verbringen, hebt er das Haus der Begegnung und die vielen Aktivitäten und Projekte hervor.

I. El-Khalili, Jüngster auf dem Podium, hat das Wort; D. Dormeier hört aufmerksam zu

 

Auch die langjährige Stadtteilbewohnerin und Stadträtin Gerlinde Schrempp lebt sehr gern hier. Positiv findet sie die Naherholungsmöglichkeiten, den Wald und den Öffentlichen Nahverkehr im Minutentakt. – Nicht gut findet Frau Schrempp, dass „man auf der Straße nur noch selten die deutsche Sprache hört.“ Die Integrationsbemühungen schätzt sie „wenig ausgeprägt“ ein.

Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon wehrt sich dagegen, dass man den Eindruck vermittle, „in Landwasser gebe es nur Probleme.“ Mehrsprachigkeit findet er toll, aber Deutsch sei auch Voraussetzung, in diesem Land Fuß zu fassen. – Auf Nachfrage von Herrn Röderer meint Ibrahim, dass er im Freundeskreis Deutsch rede, beklagt jedoch, wie die Jugendlichen miteinander „Stress machen“. – Auch beklagt er, dass viele Schüler und Schülerinnen ihren eigenen Abfall nicht ordnungsgemäß entsorgen, sieht aber auch nicht ein, „für andere den Dreck wegzumachen“.

Michael Reichenbach, Polizei-Hauptkommissar, versucht, den Unterschied zwischen dem subjektiven Sicherheitsgefühl der Bevölkerung und den Fakten der polizeilichen Kriminalstatistik zu erläutern. Nach seinen Worten ist „Landwasser nicht auffällig“. Es gebe nur 400 aufgenommene Straftaten im Vergleich zu 28.000 aufgenommenen registrierten Straftaten in ganz Freiburg, prozentual also nicht einmal halb so viele Straftaten wie in Freiburg insgesamt (1,4% zu 3,2%).

Dieter Dormeier vom Bürgerverein Landwasser betont, er wohne in einem „schönen Stadtteil“. Er problematisiert die Randale und fragt, wie die Jugendlichen und ihre Elternhäuser erreicht werden könnten, damit die Regeln eingehalten werden. – Von den ca. 400 Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren im Stadtteil identifiziert er lediglich ca. 30-40 Jugendliche, die auffällig sind. Dem HdB, Haus der Begegnung, bescheinigt er gute Arbeit im Haus, aber es fehle an Angeboten auf der Straße. „Sport verbindet die verschiedenen Kulturen“, ist er sich sicher, schlägt Streetworker vor, um die jungen Leute besser erreichen zu können, möchte mehr sportliche Angebote und Übungsleiter und hofft auf eine neue Mehrzweckhalle in der Wirthstraße.

Der kommissarische Leiter des Bürgervereins spricht auch die Probleme der Albert-Schweitzer-Schulen an. Seiner Meinung nach scheuen sich z. B. viele Eltern nicht nur wegen der Sprachprobleme, sondern auch wegen des desolaten Zustands des Gebäudes, ihre Kinder in unserer Grundschule anzumelden.

Auch aus dem Publikum kommen Anregungen und Hinweise.

Um folgende Vorschläge wollen sich die Angesprochenen kümmern:

Herr Diringer von der Polizei sagt zu, die Realisierbarkeit monatlicher Sprechstunden der Polizei zu prüfen. Er will sich auch um das Anliegen der Schulen kümmern, den Schulhof nächtlich zu unterschiedlichen Zeiten zu kontrollieren und ihn alkoholfrei zu machen.

Oberbürgermeister Dr. Salomon sagt zu, das Gebäudemanagement auf den Weg zu schicken, damit das Problem der stinkenden Schultoiletten gelöst wird. Eine Sanierung der Albert-Schweitzer-Schulen, die er für nötig hält, sieht er frühestens in fünf Jahren kommen.

Vergessen möchte ich zu guter Letzt nicht Stephan Schoeller vom Bauunternehmen Unmüssig. Er stellt kurz den zeitlichen Ablauf vor, mit Abriss des EKZ (Einkaufzentrums) ab Anfang 2020 und Eröffnung des neuen Zentrums Ende 2021. Dann habe Landwasser ein helles und lebendiges neues Zentrum.

Text und Fotos: Folkmar Biniarz

 

Den zugehörigen Bericht der Badischen Zeitung kann man hier lesen.

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