Fragen und Antworten zum Mooswald

Da es zahlreiche Fragen aus der Bürgerschaft von Freiburg-Landwasser zum Thema „Mooswald, Eschentriebsterben, u.s.w.“ gab, bat Herr F. Biniarz (Mitglied des BV-Landwasser-Vorstands) Herrn Förster E. Krämer um Beantwortung und Stellungnahme zu den angesprochenen Themen.

Dieser Bitte kam Herr Krämer in aller Ausführlichkeit nach (siehe folgenden Text):

10 Fragen von F. Biniarz, beantwortet von Förster E. Krämer

F. Biniarz:

1. Wie ist der Stand der Dinge nach der letzten Holzaktion auf Ende Februar 2021?

E. Krämer:

In dem Wald zwischen Haltestelle Diakonie und Bundschuhhalle sind wir fertig. In dem Wäldchen bei der Albert- Schweitzer-Schule ist zwar der überwiegende Teil der Eschen geschlagen. Dort müssen wir aber im nächsten Winter noch mal rangehen. Gleiches gilt für das Wäldchen am Humbergweg am Lehener Bergle.

2. Gibt es noch Nacharbeiten? Wenn ja, welche?

Auf den neu entstanden Lücken werden wir nächste Woche die bereits vorhandene Naturverjüngung mit einer Pflanzung von heimischen Baumarten ergänzen  (Eiche, Flatterulme, Spitzahorn). Bei genauem Hinsehen kann man erkennen, das viele bereits vorhandene Bäume aus der Naturverjüngung bereits da sind.

3. Ist die Beobachtung richtig, dass nicht nur Eschen, sondern auch Eichen gefällt wurden?

4. Wenn auch Eichen gefällt wurden, warum?

Diese Beobachtung ist so nicht richtig. Wir haben in dem Wäldchen bei Landwasser keine einzige Eiche gefällt. In dem anderen größeren Waldteil haben wir neben ca. 300 Eschen genau 2 Eichen (eine Stieleiche, die bereits abgestorben war, und eine amerikanische Roteiche) gefällt. Beide Eichen hingen stark in Richtung Lehener Grenzweg und haben die anschließenden Grundstücke sowie den stark begangenen Grenzweg massiv gefährdet. Bei der gefällten Roteiche kann man den Stock noch sehr schön begutachten und kann sehen, dass der Baum komplett hohl war.

5. Versprochen war eine Aufforstung. Wann soll diese erfolgen?

Siehe Antwort auf die Frage Nummer 2. Für uns ist seit jeher wichtig, das Naturverjüngungspotential der bestehenden Baumarten vor Ort zu nutzen. Es können sich natürlich immer nur die Baumarten verjüngen, die auch vor Ort vorhanden sind. Deshalb ergänzen wir die bestehende Naturverjüngung mit Baumarten, die sich dort mangels alter Bäume in der Nähe nicht verjüngen können. In diesem Fall sind das Pflanzungen mit Eiche, Flatterulme und Spitzahorn. Wir pflanzen in den beiden Waldstücken ca. 500 Bäume und Sträucher. Die Pflanzungen beginnen am nächsten Montag, dem 22 März 2021.

6. Sie hatten bei der gemeinsamen Information letztes Jahr an der Diakoniehaltestelle von niederstämmigem Gehölz gesprochen und als Beispiel den Speierling genannt. Welche Gehölze sind noch vorgesehen?

Auf dieser Freifläche werden wir heimische Sträucher und kleinwüchsige Bäume wie den Speierling pflanzen. Wir werden das Ganze noch durch ein paar Wildkirschen ergänzen.

Die Speierlinge sind im Moment nicht lieferbar. Sie werden aber bei Lieferung entweder dieses Frühjahr oder im Herbst nachgepflanzt. Auch auf dieser Fläche wird sich aber zusätzlich eine Naturverjüngung aus Bergahorn, Spitzahorn und sonstigen heimischen Laubbäumen einstellen.

7. Durch das schwere Erntegerät sind auch die Wege im Mooswald in Mitleidenschaft geraten. Werden diese wieder hergestellt?

Wir hatten dieses Jahr mit dem Wetter richtig Glück. Die Böden waren zum Teil noch gefroren und die Wege wurden kaum in Mitleidenschaft gezogen. Wir warten jetzt erstmal den Abtransport des gesamten Holzes ab, da der ja nur mit schweren Lastkraftwagen erfolgen kann. Sollte es danach noch größere Wegschäden geben, werden wir die Wege wieder in Stand setzen.

8. Anwohner beklagen den Lärm durch die Westrandstraße. Wird bei der Aufforstung darauf geachtet, dass gerade für die Bewohner zur Elsässerstraße, am Moosgrund und Auwaldhof wieder ein lärmabweisender Wald entsteht?

Nun ja, was ist ein lärmabweisender Wald? Die Untersuchungen, die ich kenne, besagen, dass ein dichter, junger Wald etwas mehr Lärm filtert als ein alter, lückiger Wald. Die entstanden Lücken werden sich von alleine oder durch die gepflanzten Bäume schließen. Dass dies aber seine Zeit dauert, ist klar. Das können wir als Förster nicht beschleunigen, genau so wenig wie wir das Eschentriebsterben beeinflussen können. Wald verändert sich immer, ob mit oder ohne Bewirtschaftung. Auch in einem nicht bewirtschafteten Wald wird es Phasen mit viel Altholz und Phasen nach z.B. Sturmwurf oder Überalterung mit entsprechenden Kahlflächen geben.

9- Welche Auswirkungen der Abholzungsarbeiten auf die Vogel- und Tierwelt haben Sie beobachtet? Es wird berichtet, dass vermehrt Tiere aus dem Mooswald in die Siedlungsgebiete kommen.

Da kann ich ihnen keine konkrete Antwort geben; allerdings bezweifle ich diese Beobachtungen sehr. Welche Tierarten kommen denn nun mehr in die Siedlungen? Das würde mich selbst sehr interessieren.

10. Sind eventuell gewisse Nisthilfen neu vorgesehen?

Zusätzliche Nisthilfen haben wir bewusst nicht vorgesehen, weil sie schlicht und einfach nicht nötig sind. Die in den im Mooswald vorhandenen Nistkästen sind – bis auf wenige Ausnahmen – durch die Kohlmeise, einen unserer häufigsten Singvögel, belegt. Selten finden wir dort noch die Blaumeise, den Trauerschnäpper und den Kleiber. Die Wälder im Mooswald sind sehr totholzreich und von daher sind sehr viele natürliche Höhlen vorhanden. Auch in den Waldbereichen bei Landwasser sind noch zahlreiche Höhlenbäume vorhanden.

In den jetzt neu entstandenen Lücken finden vor allen Dingen Heckenbrüter neue und  vielfältige Brut- und Nahrungshabitate – wie zum Beispiel viele Finkenarten, Rotkehlchen, Zaunkönig und so weiter…

Die Anzahl derjenigen Vögel, die nicht in Höhlen, sondern in dichten Hecken sowie in Sträuchern oder jungen Waldbeständen brüten und leben, übertrifft die Zahl der Arten, welche auf Höhlen angewiesen sind. Konkret kann man für dieses Waldstück festhalten: Auf den Lücken wird die Anzahl der Höhlenbrüter abnehmen, die Zahl der Heckenbrüter, welche in einem alten und dichten Wald weniger Nist- und Nahrungsmöglichkeiten finden, aber deutlich zunehmen.

Text: Redaktion

Zitate: E. Krämer, F. Biniarz

Fotos: F. Biniarz

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