Mittelspecht – ein seltener Anblick

Mittelspecht zum ersten Mal im Garten gesichtet

Verwundert habe ich mir die Augen gerieben. In der Regel besucht uns im Garten der Buntspecht. Er weiß, wo die Haselnüsse in einer Astgabel unserer Blutpflaume zu finden sind. Er holt sich eine Nuss und nimmt sich diese, am Stamm hinaufkletternd, mit zu seinem Frühstückstisch. Dort hackt er sie klein, um sie schnabelgerecht verspeisen zu können.

Doch diesmal war ein Specht da, der sich nicht für das Vogelfutter und die Haselnüsse interessierte. Er suchte die Stämme des Baumes ab, rundum, hinauf und hinab. An bestimmten, leicht morschen Stellen hielt er inne und schien etwas gefunden zu haben. Dabei konnte ich ihn fotografieren.

Ich fragte nach und mein Verdacht wurde bestätigt: es war zum ersten Mal ein Mittelspecht.

Er ist weitaus seltener anzutreffen als der allseits bekannte Buntspecht. Es gibt ihn auch nicht so häufig. In vielen Ländern und auch in vielen Regionen Deutschlands ist er ausgestorben. Er kann daher als ein besonderer Charaktervogel im Mooswald angesehen werden. Sein Problem: im Gegensatz zum Buntspecht ist der Mittelspecht ganzjährig auf Insekten als Nahrungsquelle fixiert. Er ist auf Eichen und Erlen und auf Gehölz angewiesen, das über eine grobe Rinde verfügt. In den Ritzen sucht er dann die Raupen, Fliegeneier und Insekten. Mit dem harten Totholz kann er nichts anfangen. Ebenso ist ein Wald, der flächenweit abgeholzt ist und nur noch über junge Bäume verfügt, sein sicherer Tod. Er braucht einen Wald, in dem auch alte Eichen mit knorrigen Ästen stehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Angebot an Insekten im Winter knapp ist.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Mittelspecht im Mooswald nicht mehr satt wurde und demzufolge seinen Radius erweitern musste. Ob auch jetzt gerade zu viele alte Eichen im Mooswald gefällt wurden?

Einerseits habe ich mich gefreut, den Mittelspecht nicht nur zu hören, sondern eben auch einmal zu sehen. Aber andererseits ist sein Lebensraum eben ein gesunder Mischwald.

Text und Foto: Folkmar Biniarz

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