Wirthstraße in Freiburg-Landwasser

Erinnerung an den Regierungsantritt des Reichskanzlers Dr. Joseph Wirth vor 100 Jahren

Mit einer Kranzniederlegung erinnerten die Stadt Freiburg und die Joseph-Wirth-Stiftung am 10. Mai 2021 an den Regierungsantritt des aus Freiburg stammenden Reichskanzlers Dr. Joseph Wirth vor 100 Jahren. Gemeinsam mit Vertretern der Stiftung gedachten Oberbürgermeister Martin Horn und der Erste Bürgermeister Ulrich von Kirchbach der Persönlichkeit Joseph Wirth.

Joseph Wirth war ein herausragender Politiker und Verfechter der Demokratie in der jungen Weimarer Republik. Ohne Vorbehalt hatte sich der 1879 in Freiburg geborene Zentrumspolitiker 1918 für die Abschaffung der Monarchie und den Aufbau eines parlamentarischen Systems eingesetzt. Er wirkte in der Badischen und in der Weimarer Nationalversammlung an der Erarbeitung der Verfassungen für das Land Baden und für das Deutsche Reich mit.

Bis zu seiner Ernennung zum Reichskanzler am 10. Mai 1921 hatte Wirth, ehemals Gymnasialprofessor für Mathematik am Freiburger Realgymnasium, eine beachtliche politische Laufbahn hinter sich: Vor dem ersten Weltkrieg wurde er als Mitglied des Bürgerausschusses und zum Stadtverordneten in Freiburg gewählt, 1913-1914 war er Mitglied des Badischen Landtags, 1914-1918 Mitglied des Reichstags, 1918-1920 Badischer Finanzminister. 1920 berief ihn der ebenfalls aus Freiburg stammende Zentrumspolitiker Constantin Fehrenbach als Reichsfinanzminister in sein Kabinett. Am 10. Mai trat Wirth die Nachfolge Fehrenbachs als Reichskanzler an; mit 41 Jahren war er der jüngste aller Reichskanzler.

Seine Amtszeit war von schweren politischen Verwerfungen und zugleich von mutigen Entscheidungen geprägt. Den Reparationsforderungen der Siegermächte setzte er eine klug kalkulierte „Erfüllungspolitik“ entgegen. Mit der Sowjetrepublik suchte er 1922 im Vertrag von Rapallo wechselseitige Anerkennung, politischen Ausgleich und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Die aktive Verteidigung der Demokratie war stets das Credo seines politischen Handelns. Er forderte „in jeder Stunde Demokratie“, wie er es in seiner berühmten Reichstagsrede am 25. Juni 1922 formulierte, einen Tag nach der Ermordung seines Außenministers Walther Rathenau. Scharf prangerte er die Hetzkampagnen rechtsnationaler und militaristischer Kreise gegen das parlamentarische Regierungssystem sowie gegen demokratische Politiker an und verurteilte das System des politischen Mordes. In seiner politisch klugen und weitsichtigen Rede, die Geschichte geschrieben hat, rief er die Bürger zur Verteidigung der Republik auf und beschwor die Vision eines demokratischen und sozialen Staatswesens. Seine Rede gipfelte in dem Satz: „Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt. Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: Dieser Feind steht rechts“.

Wirth blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1956 ein überzeugter Demokrat und Anhänger des Parlamentarismus. Seine politische Biografie liefert eine Reihe von Anlässen, die über den zeitgeschichtlichen Kontext hinausweisen bis in die Gegenwart.

Text: Pressemitteilung der Stadt Freiburg

Vor nunmehr 100 Jahren wurde der aus Freiburg stammende ehemalige Gymnasialprofessor Dr. Joseph Wirth, Namensgeber einer Straße unseres Stadtteils Freiburg-Landwasser, zum jüngsten aller Reichskanzler der Weimarer Republik berufen.

Ausschnitt von Freiburg-Landwasser; Wirthstraße: siehe Pfeil

Schon angesichts der kleinen Fotogalerie (zusammengestellte Auswahl einiger Beispiele) lässt sich erahnen, welche Bedeutung die Wirthstraße aufgrund der dort befindlichen Einrichtungen für Freiburg-Landwasser, aber in gleicher Weise auch für die nähere und weitere Umgebung hat.

Praxiszentrum,
Diakonie-Krankenhaus, Wirthstraße 11 c

Ebenso wie die Stadt Freiburg (siehe Pressemitteilung oben) würdigt auch der Bürgerverein Freiburg-Landwasser die Verdienste des Freiburger Bürgers Dr. Joseph Wirth, eines überzeugten und aktiven Verfechters der Demokratie.

Als Vertreter des Bürgervereins nahm am 10. Mai 2021 der Vorsitzende D. Dormeier an der kleinen Feierstunde mit Kranzniederlegung teil.

Übriger Text und Fotos: Redaktion

Print Friendly, PDF & Email