Geflügelpest im Raum Freiburg

Die Geflügelpest in Freiburg und Umgebung

Seit einigen Wochen hängen in Freiburg und Umland Hinweistafeln unter den Ortsschildern, die auf einen „Geflügelpest Sperrbezirk“ hinweisen.

Nach Corona noch eine weitere Seuche? Die Pest? Was hat es mit dieser Geflügelpest auf sich? Mit der uns bekannten Beulenpest (Bubonenpest) bzw. dem Pest-Erreger aus dem Mittelalter hat die Geflügelpest nichts zu tun. Vielmehr beschreibt das Wort Pest (lateinisch pestis) allgemein eine „Seuche“ – also jede ansteckende Krankheit ist damit gemeint.

Der Erreger der klassischen Geflügelpest ist ein hochansteckendes Influenza-A-Virus und gehört damit in die Familie der uns allen gut bekannten Grippeviren. Dass die Viren der Influenza des Menschen und der klassischen Geflügelpest der gleichen Gruppe zuzuordnen sind, wurde erst 1954 durch den damals in Tübingen am Max-Planck-Institut für Virusforschung tätigen deutschen Virologen Werner Schäfer endgültig nachgewiesen.

Beobachtet wurde die Geflügelpest erstmals 1878 in Italien. In den 1930er Jahren gab es in Europa, Amerika und Asien mehrere Ausbrüche. Nach massiven Ausbrüchen in den 1980er Jahren in Irland und den USA wurden zur Eindämmung der Ausbrüche Millionen Vögel getötet. Alle paar Jahre kommt es auch immer wieder zu kleineren oder größeren Geflügelpest-Ausbrüchen in Deutschland. Eine der größten Ausbrüche in Europa fand im Jahr 2016/2017 statt.

In den Geflügelställen, insbesondere bei Intensivhaltung, können die Krankheitserreger rasch von Tier zu Tier übertragen werden. Für die Übertragung spielen dabei Kot, Tränenflüssigkeit, Nasensekret eine große Rolle. Die Krankheit äußert sich bei den Tieren durch hohes Fieber, erschwerte Atmung, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit usw. Um diese furchtbare Seuche schnell eingrenzen und stoppen zu können, wird bei Geflügelpest-Ausbrüchen in einer Tierhaltung regelmäßig der gesamte Tierbestand getötet und die Kadaver verbrannt. So mussten bei der aktuellen Geflügelpest in diesem Frühjahr im Stadtkreis Freiburg bereits über hundert Hühner und anderes Geflügel getötet („gekeult“) werden. Sehr viele Tiere waren an der Seuche bereits verendet. Erkrankungen und Todesfälle beim Menschen traten hauptsächlich im Zusammenhang mit den erstmals seit 1997 auftretenden H5N1 Infektionen auf. Eine H5N1-Epidemie bei Wildvögeln trat 2006/2007 in Europa sowie auch Deutschland auf. Hierbei kamen im Gegensatz zu den asiatischen Ländern in Deutschland glücklicherweise keine Menschen ums Leben.

Die Bekämpfung der Geflügelpest erfolgt in Deutschland auf Rechtsgrundlage des Tiergesundheitsgesetzes und der Geflügelpest-Verordnung. In der Geflügelpest-Verordnung ist zum Beispiel festgelegt, dass bei amtlich nachgewiesener Geflügelpest bei einem gehaltenen Vogel die zuständige Behörde ein Gebiet um den Seuchenbestand mit einem Radius von mindestens drei Kilometern als Sperrbezirk festlegt. Daher auch das Schild „Geflügelpest Sperrbezirk“. In diesem Sperrbezirk muss das Geflügel und alle in Gefangenschaft gehaltenen Vögel u.a. in geschlossenen Ställen oder überdachten Volieren gehalten werden. Der Auslauf im Freigelände außerhalb des Stalles oder der Voliere ist verboten. Die Maßnahmen gehen natürlich noch viel weiter und betreffen auch den Transport, Handel und Verkauf von Geflügel und Eiern. Apropos Transport: Ursache für den Ausbruch der Geflügelpest in unserer Gegend war ein Geflügelhändler aus Nordrhein-Westfalen, der im März zahlreiche Junghühner an Kleinhaltungen in Baden-Württemberg verkauft hatte.

Die Untersuchung von infizierten oder toten Tieren findet übrigens im CVUA Freiburg, Dienstgebäude Tierhygienisches Institut (THI), am Moosweiher statt. Aus den Tupferproben wird das Erbmaterial der Geflügelpest-Viren isoliert und mittels PCR-Test nachgewiesen. Eine weitere Bestätigung findet dann noch im Friedrich-Löffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems (Ostsee) statt. Über mehrere Wochen wurden teilweise mehr als hundert Proben pro Tag zur Untersuchung ins THI eingesandt. Mit Erscheinen dieses Heftes ist das Schlimmste wohl überstanden. Aber – die nächste Seuche kommt bestimmt!

Bedanken möchte ich mich bei Dr. Klaus Danner (Virologe und Abteilungsleiter am CVUA Freiburg (THI) für die tatkräftige Unterstützung.

Quellen und weiterführende Links:
www.ua-bw.de
www.mlr.baden-württemberg.de

Text: Dr. Klaus Pietsch

Foto: Stefanie Pietsch

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